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Flucht aus der Stadt

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Ich bin in Wien geboren, und ich bin aus Wien geflüchtet. Wenn du als geborener Städter den Schritt wagst und die große Stadt für immer verlässt, dann fühlst du dich schon beinahe wie ein kleiner "Aussteiger".

Meine "Flucht" aus Wien ist jetzt 9 Jahre her. Aus heutiger Sicht hätte ich diesen - mein Leben zum Positiven verändernden - Schritt schon viel eher machen sollen. Hier sind nur einige meiner Gründe, warum ich heute so denke:

Bild: Wien heute - ohne rosaroter Brille - ohne Beschönigung - eine kalte Stadt, die ihre frühere Lieblichkeit längst schon verloren hat

Flucht aus der Stadt Wien

Wien war früher - als ich noch ein Kind war - eine nette Stadt. Doch das ist lange her. Wenn ich aus dem Fenster meiner elterlichen Wohnung geschaut habe, hatte ich den Blick auf kleine Gärten und auf die Hammer-Brot-Fabrik. Heute stehen an derselben Stelle nur noch Hochhäuser.

Wenn ich aus dem Haus gegangen bin, musste ich lediglich 5 Minuten gehen und schon war ich in einer grünen Oase. Heute sind dort nur Häuser, Asphalt und Beton. Wo ich als Kind unbeschwert auf Schmetterlings-Jagd war, ist heute eine Autobahn.

Flucht aus der Stadt - freier Blick in die Schönheit der Natur

Das gibt es heute nur noch am Lande - Orte, an denen man noch atmen kann, mit freiem Blick in die Natur, ohne Hektik, ohne Stress...

Tausende Stunden im Stau vergeudet

Flucht aus der Stadt - warum habe ich bloß so lange gewartet? Wenn ich heute ein paar kleine Rechnungen anstelle, wird mir schlecht dabei. Ich habe 30 Jahre in Wien gearbeitet, bevor ich Wien für immer den Rücken zugewandt habe. In dieses 30 Jahren bin ich dabei täglich durchschnittlich zwei Stunden im Stau gestanden.

2 Stunden mal 5 Tage mal 52 Wochen mal 30 Jahre... das ergibt insgesamt 15.600 Stunden meines Lebens, die ich im Stau vergeudet habe. Das sind nahezu zwei volle Jahre meines Lebens, die mir diese grauenhaft stinkende Stadt gestohlen hat.

Die Stadt als Zeitdieb

Die Stadt Wien hat viele Saiten, um dir die Zeit zu stehlen. Hier ein weiteres Beispiel dafür:

Ich hatte ein sogenanntes Parkpickerl, um in jenem Bezirk in dem ich wohnte überhaupt parken zu dürfen. (Kurzparkzone) Ich musste zwar dafür bezahlen, habe aber trotzdem jeden Tag nahezu eine Stunde den Häuserblock umkreist, bis ich endlich eine freie Parklücke fand. Auch das waren in Summe tausende, vergeudete Stunden.

In der Nacht haben Betrunkene dann über die Motorhaube meines Auto gerauft. Immer wieder habe ich mein Auto morgens beschädigt vorgefunden. Da es in dem Bezirk in dem ich wohnte (20. Bezirk) keine Garage zu mieten gab, habe ich letzten Endes eine Garage im 21. Bezirk gemietet. Dort habe ich mein Auto dann nachts versteckt, und bin mit der U-Bahn (U6) nach Hause gefahren. (Ach wie schön - Wien ist Anders)

Flucht aus der Stadt - Wenn du in der Stadt ein Auto hast dann verstecke es lieber in einer Garage

Wenn du in der Stadt ein Auto hast, dann verstecke es lieber in einer Garage, damit du es morgens noch so vorfindest wie du es abends abgestellt hast. Zudem ersparst dir damit tausende wertvolle Stunden an Lebenszeit, die sonst für nervtötende Parkplatzsuche drauf geht 

Flucht aus der Stadt - du kennst das Gesicht deines Nachbarn nicht

Du kennst das Gesicht deines Nachbarn nicht, und du weisst auch nicht wie es ihm geht; du kennst lediglich sein Stöhnen in der Nacht.... Willkommen in der Anonymität der Stadt

In der Stadt hatte ich viele Nachbarn, heute - auf dem Lande - habe ich viele Freunde

Wenn du in der Stadt auf der Straße jemanden anlächelst oder gar grüßt, wirst du angesehen "als ob du nicht alle Tassen im Schrank hättest". Wenn dein Nachbar stirbt, und du bemerkst es nicht, dann ist das durchaus in Ordnung. Kein Hahn kräht danach. Es ist normal.

Wenn du in ein Lokal gehst, dann setzt du dich am Besten alleine an einen Tisch, schaust in dein Kaffeehäferl und beachtest die Anderen nicht. So wird das von dir erwartet. Anonymität ist ja ach sooo was "Schönes"... (oder doch nicht?)

Hier am Land - wo ich heute lebe - läuft es noch Anders. Da gehe ich in ein Lokal, setze mich zu "Fremden" an den Stammtisch. Ich unterhalte mich mit ihnen und lerne so jeden Tag neue Menschen kennen, die dann zumeist zu Freunden werden. Alleine hocken kann ich zu Hause auch.

Hektik macht die Menschen aggressiv

Städte sind voll hektischem Treiben. Hektisch laufen die Menschen in den Städten über die Straßen, hektisch hasten sie zur U-Bahn, zur Arbeitsstätte und wieder nach Hause. Hektik ist präsent in allen Geschäften, und ganz besonders spürbar in den großen Einkaufszentren. Die Menschen in den Städten werden in Hektik geboren, leben in ständiger Hektik, und manchmal denke ich: sie sterben sogar hektisch um dann noch schnell mal hektisch begraben zu werden. Diese Hektik macht die Menschen extrem aggressiv, und sie ist obendrein noch gefährlich ansteckend.

 

 

Autarkie gibt's nicht

Ein weiterer wesentlicher Punkt für mich der großen Stadt "Adieu" zu sagen, ist die totale Abhängigkeit der städtischen Bevölkerung. Die Menschen sind in der Stadt vollkommen abhängig davon, dass Ihnen die Nahrung in den Supermarkt geliefert wird, dass ihnen der Strom ins Haus geliefert wird, dass sie mit Fernwärme oder mit Gas versorgt werden...

Erst wenn ihnen die Nahrungsversorgung abgedreht wird, wenn ihnen der Strom abgedreht wird, wenn ihre Zimmer kalt werden, erst dann werden sie erkennen, wie hilflos abhängig sie sind. Autarkie ist ein Ding der Unmöglichkeit und somit ein Fremdwort in den Städten.

die Bevölkerung in der Stadt - gesellschaftlich versklavt, in vollkommener Abhängigkeit, ohne jegliche Chance auf Autarkie... wie Pflastersteine - schön geordnet, ohne Raum sich zu bewegen, ohne Chancen zur Entfaltung...

Fazit:

Wer das alles braucht, der soll es sich geben. Ich für mein Teil weiß, warum ich die Stadt viel lieber habe beim "wieder Gehen" als beim "Kommen".

 

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